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Cape Whale Coast

Für Weinfans ist die Cape South Coast ein Himmel auf Erden. Begegnungen zwischen Kap Agulhas und dem Hemel-en-Aarde Valley.

An Afrikas südlichstem Punkt spricht die Natur: Mit der See im Ohr und der Sonne im Nacken, mit Salz auf den Lippen und Kelp in der Nase erlebt man, wie Atlantik und Indischer Ozean aufeinanderprallen. Wellenberge rauschen heran, schlagen krachend an die Klippen. Möwen segeln um den Leuchtturm, ein Wegweiser für stürmische Nächte. „Cabo das Agulhas“ taufte Entdecker Bartolomeu Dias die Landspitze mit den scharfkantigen Felsen. 500 Jahre später ist das „Kap der Nadeln“ noch immer wild und windumtost. Hier beginnt eine Reise kreuz und quer durch die Kapregion zu Südafrikas besten Winzern, zu „Terroiristen“ im Weinberg und Revolutionären im Keller, und an jene Orte, an denen sich flüssige Schätze verkosten lassen. Nur zwei Autostunden sind es von Kap Agulhas ins Herz der Winelands, wo fruchtbare Täler einem Garten Eden gleichen und geweißelte Cape-Dutch-Herrenhäuser vor zerklüfteten Gebirgsketten das Bilderbuchidyll komplettieren. Wer dagegen am Kap Agulhas Reben pflanzt, hat Gottvertrauen: Herrnhuter Missionare gründeten 1824 die Siedlung Elim und produzierten eigenen Messwein. Oder er ist ein Pionier – wie Conrad Vlok und Dirk Human von Strandveld und Black Oystercatcher. Mal kommt er von Westen. Mal aus dem Süden. Im Sommer, wenn er aus dem Osten bläst, bringt er salzige Gischt mit und verätzt die Weinblätter. Conrad Vlok stapft entlang der Reben und sagt, als wolle er sich bei ihnen entschuldigen: „In all den Jahren gab es nie einen Tag ohne Wind.“ 2005 presste er die ersten Trauben für die Einstiegsmarke First Sighting. Heute repräsentieren Weine der Strandveld-Linie mit ihren mineralischen, frischen Noten am besten die exponierte Lage, aus der sie stammen. Reben wachsen auf 67 Hektar, dazu zählt mit Uintjieskuil der südlichste Weinberg Afrikas: Man sieht sieben Kilometer entfernt den Atlantik. Anspruchsvolle Sorten machen diese Lage nicht mit. Für andere Kultivare ist ein kühles Klima in der Vegetationsphase aber ideal, um feine Nuancen auszubilden. Das beweisen der Adamastor, eine Cuvée aus Sauvignon Blanc und Sémillon, und der Rhône-Blend The Navigator.

Kaffeestein und Schiefer

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Beim Weingut Restless River legt Winzer Craig Wessels (rechts) noch selbst Hand an.

Conrad Vlok erntet aber auch viele Trauben, aus denen das Kellerteam des Weinguts La Motte anschließend in Franschhoek seine Topweine keltert. Im La Motte Pierneef Syrah Viognier, dessen 2014er-Jahrgang mit Preisen überhäuft wurde, stammen 51 Prozent des Syrah aus Elim. Nebenan schafft es auch Dirk Human von Black Oystercatcher, das Terroir seiner Heimat im Wein abzubilden. Wer den Weg ans Cap Agulhas auf sich nimmt und den Autodidakten besucht, kann auf der aufwändig restaurierten Farm nicht nur die Weine der Standardlinie verkosten. Ausschließlich hier bekommt man auch die ReserveLinie serviert und mit etwas Glück Raritäten wie einen ohne Zusatz künstlicher Hefen spontan vergorenen Sémillon oder den würzigen Blanc Fumé. Dirk Human ist Farmer in vierter Generation. „Bauern wissen, wie entscheidend der Boden ist für alles, was wächst“, sagt er. Um darauf aufmerksam zu machen, welchen Einfluss der Untergrund auf Wein haben kann, hat er drei Parzellen Sauvignon Blanc separat gelesen und ausgebaut. Beim Tasting schmeckt man die Unterschiede klar heraus: „Kaffeestein sorgt bei uns für eine mineralische Note, Tonschiefer bringt Würze und Quarz grüne Frische.“ Ein anderer Ort an der Cape South Coast ist inzwischen viel berühmter für seine Weinpioniere. Wer charaktervolle Weine mit lebendiger Säure sucht und nicht jene nach „Neuer Welt“ schmeckenden Fruchtbomben, die in Südafrika nach dem Ende der Apartheid eine Zeit lang en vogue waren, für den ist das Tal Hemel-en-Aarde tatsächlich ein Himmel auf Erden. Zuvor legt man aber auf der Fahrt eine Pause ein und richtet suchend den Blick aufs Meer. In der Walker Bay zwischen Gansbaai und Hermanus versammeln sich von Juni bis November die Wale: Südkaper aus den Gewässern rund um die Antarktis gebären hier ihre Jungen. Darauf lässt sich dann passend mit einem gefälligen „Southern Right“ oder „Whale Pod“ anstoßen. Im Weingut Bouchard Finlayson arbeitet noch heute jener sympathische Winzer, der dafür gesorgt hat, dass internationale Erfolgssorten wie Chardonnay und Pinot Noir auch in Südafrika an Boden gewinnen. „Wein machen ist wie Sport. Man sucht nach einer Herausforderung, will der Beste sein – und dann beginnt das Spiel von Neuem“, scherzt Peter Finlayson. Anfang der 80er-Jahre war er der erste Winzer im Hemel-en-Aarde-Tal – und damit noch lange nicht zufrieden. „Damals war der Anbau in Südafrika noch vom Monopol der Genossenschaft KWV geprägt. Die wachte auch streng über die Verbreitung der Rebsorten.“ Chardonnay, der damals seinen Siegeszug um die Welt antrat, galt als tabu. So kamen die ersten Triebe illegal ans Kap. „Wir haben sie nach Swasiland bringen lassen und unter einer Ladung Holz versteckt ans Kap transportiert“, sagt Finlayson.

Spiegel des Terroirs

Als das öffentlich wurde, gab es gehörig Ärger. Doch der Wein überzeugte auch die Bürokraten und der Anfang war gemacht: Heute ist Chardonnay nach Chenin Blanc, Colombard und Sauvignon Blanc Südafrikas am vierthäufigsten angebaute Rebsorte. Auch für Pinot Noir engagierte sich Peter Finlayson und wurde damit zum „Weinmacher des Jahres“. Der Missionvale Chardonnay und der Galpin Peak Pinot Noir zählen bis heute zu den besten Weinen aus Hemel-en-Aarde. Doch auch die Nachbarn im Tal heimsen einen Preis nach dem anderen ein. Besonders nachgefragt sind derzeit die Schätze, die das Ehe paar Nadia und Gordon Newton Johnson im Keller ihres Weinguts reifen lässt. „In guten Jahren produzieren wir in der Family Range mehr als nur einen Pinot Noir“, erklärt Nadia. „Bei den Varianten Windandsea, Mrs M und Block 6 erkennt man, dass Spätburgunder nicht nur höchste Ansprüche an Lage und Boden stellt. Pinot Noir ist auch der beste Spiegel seines Terroirs.“ Bei Newton Johnson hat man nicht das Ziel, uniforme Weine zu produzieren, die immer gleich schmecken. „Wir lassen die Böden sprechen, aber auch das Klima im Tal – und das verändert sich von Jahr zu Jahr“, sagt ihr Partner Gordon. Zu diesem Stil passt, dass bei der Verarbeitung der Trauben minimal interveniert wird: Bei der Gärung drückt das Team die auftreibenden Trester sanft von Hand mit Stampfern und nicht maschinell herunter, bis sie wieder im Saft liegen. Bei den Weißweinen schreibt man nun Geschichte: Als erstes südafrikanisches Weingut hat Newton Johnson einige hundert Flaschen Albariño abgefüllt, dessen blumige Aromen an Riesling oder Viognier erinnern. Dass Hemel-en-Aarde für Überraschungen gut ist, zeigt sich auch in einem anderen Boutique-Weingut. Anne Wessels präsentiert die Weine von Restless River am Wohnzimmertisch: frischen, in alten Holzfässern ausgebauten Chardonnay und einen eleganten Cabernet Sauvignon, spontan vergärt, ungeklärt und ungefiltert. Alles ist hier Handarbeit – ihr Mann Craig maischt gerade eine Lieferung Grenache ein. Neue Kultivare wie ein Pinot Noir erblicken bald das Licht der Welt. Auf einem blubbernden Fass steht derweil „DIRTY, STINKY, LITTLE BUGGER“. Das ist beißender südafrikanischer Humor: Craig Wessels wird auch diesen „dreckigen, stinkenden, kleinen Kerl“ in einen großen Wein verwandeln.

Südafrika INFORMATIONEN WEINROUTEN

ANREISE
South African Airways fliegt täglich über Nacht von Frankfurt und  München nach Johannesburg und weiter ans Kap (Tickets ab 679 Euro,
www.flysaa.com). Lufthansa  (www.lufthansa.com) sowie im  europäischen Winter auch Condor (www.condor.com) und Eurowings (www.eurowings.com) bedienen Kapstadt direkt ab Frankfurt bzw. Köln/Bonn. Billiger Mietwagen (www.billiger-mietwagen.de)  vermittelt Fahrzeuge ab zehn Euro am Tag.

REISEZEIT
Hauptsaison ist der südafrikanische Sommer von November bis März. Nach den Osterfeiertagen wird es ruhiger, obwohl der Herbst als eine der schönsten Jahreszeiten gilt. Im Winter sind die Hotels deutlich  günstiger. Viele neue Weine kommen im Juli/August auf den Markt.

WEINREISE
Für eine umfangreiche Genusstour sind etwa zwei Wochen nötig. Um die drei beschriebenen Weinregionen zu erkunden, ist man ohne Abstecher 650 Kilometer unterwegs, z.B. von Kapstadt via Somerset West an der Cape South Coast bis zum Kap Agulhas, übers Hinterland ins Herz der Winelands, ins Swartland und zurück zum Tafelberg. Empfehlungen für Restaurants und Hotels gibt es ab Seite 60, weitere Tipps in den Städteporträts ab Seite 42.

VERANSTALTER
Verschiedene deutsche Veranstalter  bieten Rundreisen, Selbstfahrertouren und Reisebausteine in den Winelands an. SA Travel  (Tel. 0521/336 768 80,  www.sa-travel.de/wine-dine) hat u.a. eine 14-tägige Mietwagenreise im Programm, die es auch in einer privat geführten Variante gibt. Die Route beginnt in Stellenbosch und führt ins Swartland, wo vor allem  eigenständige Rotweine zu entdecken sind. Über Franschhoek geht es weiter nach Hermanus, das ebenso bekannt für seine Weine wie für die ausgezeichneten Walbeobachtungsmöglichkeiten ist. Endpunkt der Reise ist Somerset West. Weitere Weinreisen ans Kap gibt es u.a. bei: Albatros Urlaub,  www.albatros-urlaub.com Best of Travel Group, www.botg.de Explorer Fernreisen,  www.explorer.de Jacana Tours, www.jacana.de Sawubona Afrika,  www.sawubona-afrika.de Umfulana, www.umfulana.de

WEINGÜTER
Am KAP AGULHAS liegt die südlichste Weinbauregion Afrikas. In der Nähe der Missionssiedlung Elim liegen Black Oystercatcher  (Tel. +27 (0)28 482 1618,  www.blackoystercatcher.co.za) und Strandveld (Tel. +27 (0)28 482 1902, www.strandveld.co.za). Weitere Produzenten kommen zum Elim Wine Festival (www.elimwines.co.za). Beeinflusst vom Klima der WALKER BAY sind die Güter Raka  (Tel. +27 (0)28 341 0676,  www.rakawine.co.za), Robert Stanford (Tel. +27 (0)28 341 0647,  www.robertstanfordestate.co.za) und Springfontein (Tel. +27 (0)28 341 0651, www.springfontein.co.za) an der Stanford Wine Route  (www.stanfordinfo.co.za). Top-Adressen in HEMEL-EN-AARDE sind Bouchard Finlayson  (Tel. +27 (0)28 312 3515,  www.bouchardfinlayson.co.za) und Newton Johnson (Tel. +27 (0)28 312 3862, www.newtonjohnson.com). Spitzenqualität liefert auch Restless River (Tel. +27 (0)82 650 3544, www.restlessriver.com). Ein Tipp  für Botrivier ist Gabriëlskloof  (Tel. +27 (0)28 284 9865,  www.gabrielskloof.co.za), dessen Keller auch Crystallum und Thorne & Daughters nutzen. Hermanus Wine Hoppers bietet Touren an (www.hermanuswinehoppers.co.za), Infos findet man auf  www.hermanuswineroute.com In STELLENBOSCH ist das Herrenhaus (mit Restaurant) von Neethlingshof herausragend, aber auch die Weine der Short Story Collection (Tel. +27 (0)21 883 8988,  www.neethlingshof.co.za). Um die Ecke bei Spier (Tel. +27 (0)21 809 1100, www.spier.co.za) gibt es Kunst auf und in den Flaschen. Bio-Weine bietet Laibach im Simonsberg Ward (Tel. +27 (0)21 884 4511,  www.laibachwines.com). Berühmt sind Delaire Graff (Tel. +27 (0)21 885 8160, www.delaire.co.za), Peter Falke (Tel. +27 (0)21 881 3677, www.peterfalkewines.com) sowie Thelema mit Chardonnay und  Riesling (Tel. +27 (0)21 885 1924,  www.thelema.co.za). Pinotage- Pionier ist Lanzerac (Tel. +27 (0)21 887 1132, www.lanzerac.co.za).  Infos über die Weinrouten bietet www.wineroute.co.za In FRANSCHHOEK kostet man Weine von Bellingham im Franschhoek Cellar (Tel. +27 (0)21 876 2086 www.bellinghamwines.com). Um die Ecke liegen auch La Motte (Tel. +27 (0)21 876 8000, www.lamotte.co.za) und Leopard’s Leap (Tel. +27 (0)21 876 8002, www.leopardsleap.co.za). Weine von Mullineux & Leeu gibt es in den Leeu Estates (Tel. +27 (0)21 492 2222, www.mlfwines.com). Auf Lynx entstehen unter der Leitung von Dieter Sellmeyer exzellente Weine, darunter ein herrlich frischer Blanc de Noir (Tel. +27 (0)21 867 0406, www.lynxwines.co.za). Plaisir de Merle (Tel. +27 (0)21 874 1689, www.plaisirdemerle.co.za) liegt am Simonsberg, um die Ecke auch  Allée Bleue (Tel. +27 (0)21 874 1021, www.alleebleue.co.za) und Boschendal (Tel. +27 (0)21 870 4200, www.boschendal.com).  Mehr Weingüter nennt  www.franschhoek.org.za Mit Nederburg beheimatet PAARL eine der größten, oft ausgezeichneten Marken Südafrikas (Tel. +27 (0)21 862 3104,  www.nederburg.com). Noble Hill und das Restaurant Cosecha mit lateinamerikanischer Küche liegen idyllisch im Schatten des Simonsberg. Noble Hill‘s seltener Blanc  de Blancs ist eine Klasse für sich (Tel. +27 (0)21 874 3844,  www.noblehill.com). Abseits der Touristenrouten am Fuß des Paardebergs befindet sich Vondeling  (Tel. +27 (0)21 869 8595,  www.vondelingwines.co.za). In WELLINGTON gehören Val Du Charron mit seinen zwei auf dem Gut befindlichen Restaurants, den exklusiven Gästezimmern und dem modernen Spa zu den empfehlenswerten Zielen (Tel. +27 (0)21 873 1256, www.vdcwines.com), sowie das kleine und feine Weingut Nabygelegen (Tel. +27 (0)21 873 7534, www.nabygelegen.co.za). Weitere Weingüter in Paarl und Wellington führen www.paarlonline.com und www.wellington.co.za auf. Im SWARTLAND gibt es Weine der renommierten Boutique-Weingüter David & Nadia, Dragonridge,  Intellego, Porseleinberg, Sadie Family Wines und Testalonga in Riebeek-Kasteel im Laden The Wine Kollektive (Tel. +27 (0)22 448 1008,  www.thewinekollective.co.za). Mullineux & Leeu bietet Tastings am Kasteelberg (Tel. +27 (0)21 492 2222, www.mlfwines.com). Auch Allesverloren (Tel. +27 (0)22 461 2320, www.allesverloren.co.za) und Kloovenburg (Tel. +27 (0)22 448 1635, www.kloovenburg.com) lohnen einen Stopp.  Infos über die Swartland Independent Producers sowie die Swartland Wine & Olive Route:  www.swartlandindependent.co.za und
www.swartlandwineandolives.co.za.

AUSKUNFT
Über Wein vom Kap informiert  Wines of South Africa  (www.suedafrika-wein.de).  South African Tourism bietet  Reisetipps, Tel. 0800/118 9 118, www.dein-suedafrika.de

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